Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Morgenschwindel

Gude, ihr Leit!
Mann, das war ja wieder eine Fastnachtskampagne dieses Jahr! Da war
die so genannte fünfte Jahreszeit ja fast länger als die erste und
zweite zusammen. Und wenn man sich in Sachen Brauchtumspflege
ordentlich engagiert, wie sich das für einen echten Mainzer gehört,
geht das auf die Dauer ganz schön an die Substanz, ob man will oder
nicht.

Ich trink ja gern ab und zu mal das eine oder andere Schöppchen, und
in der närrischen Zeit gerne auch mal das eine oder andere mehr. Und
manchmal leider auch das eine oder andere zuviel.

So zum Beispiel auch an dem Sonntagabend, als ich auf der Kappensitzung
der Allerscheenste im Augustinerkeller war. Die Stimmung war riesig,
die Atmosphäre urig-familiär und die Bedienung erfreulich flott und
aufmerksam.

Sie ließ ein leeres Glas nie lange stehen – und ich kein volles.
Schnell entwickelten wir uns zu einem perfekten Team. Über das
Programm weiß ich allerdings im Nachhinein nichts allzu Genaues mehr
zu sagen, außer, dass irgendwann mal einer was über die Feuerwehr
gesungen hat.

Nach der Veranstaltung leerte sich das Lokal ziemlich schnell, und ich
ließ mich im Strom der Menge an die frische Luft spülen. Ab da verliert
sich meine Erinnerung an den Rest der Nacht vollends in den Nebelschwaden
eines fulminanten Rauschs. Dass ich irgendwann und irgendwie nachhause
gefunden haben muss, kann ich nur aus der Tatsache schlussfolgern, dass
ich in meiner Wohnung aufgewacht bin. Genauer gesagt: unter dem
Wohnzimmertisch, im vollen Ornat und bei offen stehender Wohnungstür.
Und ich hatte den Eindruck, dass meine Ohren endlos weit voneinander
entfernt waren, getrennt durch etwas, das sich anfühlte wie ein
Kubikmeter gärender Sauerteig mit unentwegt vor sich hinexplodierenden
Blubberbläschen. Oder wie zwei röhrende Panzer, die sich zwischen den
Ohren wilde Verfolgungsjagden lieferten.

Jedenfalls tat es ziemlich weh. Und der Gedanke, jetzt aufzustehen und
zur Arbeit zu gehen, entlockte mir nur ein vor Selbstmitleid triefendes
Wimmern. So entschloss ich mich, blau zu machen – was ja auch durchaus
meinem derzeitigen Noch-Zustand entsprach. Nur konnte ich meinem Chef
natürlich über den wahren Grund keinen reinen Wein einschenken, nicht
nur, weil mir momentan allein schon der Gedanke an reinen Wein einen
akuten Brechreiz verursachte. Ich musste mir also eine andere Begründung
aus den Fingern saugen. Als ich ihn schließlich anrief, erklärte ich
ihm in einem Tonfall, für dessen bemitleidenswerten Klang ich mich
nicht einmal verstellen musste, dass ich leider heute nicht kommen
könne, „weil ich hab da nämlich ganz plötzlich so eine hochgradig
chronische Fibrillenschwackotomie mit intranslativer Verbalinkontinenz.”
Und weil ich feststellte, dass ich neue Lebenskraft aus der bildlichen
Vorstellung gewann, wie sein Zweitakterhirn am diesem Brocken
rumwürgte, legte ich noch ein Schippchen drauf und ergänzte ganz
wahrheitsgemäß „...Unn e bissje Schwindel is aach noch debei!”

In diesem Sinne, macht's gut, mit einem dreifach donnernden...
Schädelbrummen,

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz