Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Forever Young

Gude, ihr Leit!
Mottoparties sind ja nach wie vor ein Hit, und das nicht nur zur
Fastnachtszeit. Deshalb war ich sofort Feuer und Flamme, als mich eine
Freundin zu einer 70er- und 80er-Jahre-Party einlud. Sofort sah ich wieder
den umwerfend rassigen, unwiderstehlichen John Travolta vor mir, der ich
damals war – und der ich tief in mir drin bis heute geblieben bin. Zum
Glück habe ich nicht nur meine innere Einstellung, sondern auch mein
damaliges Outfit wie einen heimlichen Schatz bewahrt und aufgehoben und
konnte den Tag der Einladung kaum erwarten.

Ein Schauer ehrfürchtiger Erinnerung und erwartungsvoller Vorfreude
durchrieselte mich, als ich die Sachen aus der Mottenkiste kramte: Weißer
Anzug, weiße Weste, schwarzes Hemd und hochhackige Stiefeletten...
Beim Anziehen kam es mir allerdings so vor, als sei alles im Laufe der
Zeit etwas geschrumpft, aber wer schon mal überlagerte Kartoffeln im
Keller hatte, weiß, dass das ein ganz natürlicher Vorgang ist. Auch
fiel's mir jetzt wieder ein, dass die Mode seinerzeit eher figurbetont
war, wenn mir auch heute nicht mehr bewusst war, wie sehr. Auf jeden
Fall kostete es mich einige Mühe, Knöpfe und Knopflöcher so weit
zusammen zu bringen, dass sie ihre Funktion erfüllen konnten. Aber mit
ein bisschen Atemtechnik habe ich es dann doch noch geschafft.

Und so erscheine schließlich ich auf der Fête: Fleisch gewordenes Idol
der Disco-Ära, Symbol strahlender Männlichkeit und ewiger Jugend. Das
berauschende Bewusstsein, dass die Blicke aller anwesenden Frauen
schmachtend an mir kleben, lässt mich förmlich schweben. Lässig nehme
ich mir einen Schoppen – äh, ich meine, einen Drink, nippe ihn auf ex
runter und sondiere mit cool-routiniertem Kennerblick das Terrain.
Und stelle mit leichter Irritation fest, dass ausgerechnet der
schärfste Feger des Abends, eine als pferdeschwänzige Olivia Newton-John
zurechtgemachte Blondine mit einladend ausladenden Formen, noch gar
keine Notiz von mir genommen hat. Stattdessen unterhält sie sich
völlig unbeeindruckt und äußerst angeregt mit ihrer Freundin.

Da wird das Licht runtergedreht und die Musik setzt ein. Saturday Night
Fever. Und ich hab die Tanzfläche für mich allein. Ich baue mich vor
„Olivia” auf und lege einen Tanz auf's Parkett, der jedem den Atem
stocken lässt. Jedem – außer Olivia, die fröhlich weiterblubbert. Ich
lege noch einen Zahn zu – ausgestelltes Bein, lasziver Hüftschwung
rechts, links, wirbelnde Drehung, Arme hochreißen – ich habe das Gefühl,
völlig aus mir raus zu gehen. Eine Sekunde lang. Bis mir klar wird warum.
Mit einem seltsamen Ploppen spritzen mir sämtliche Knöpfe vom Leib und
prasseln um mich 'rum auf den Boden. Die textilen Überreste dieses
Desasters folgen, wo immer sie können, zunächst der Flieh- und dann der
Schwerkraft. Jetzt endlich hat auch Olivia mich zur Kenntnis genommen.
Und meint giggelnd zu ihrer Freundin: „Joooch, Schacklien, haste des
goldisch Knallbomboo da ebe gesehe?”

Da beschließe ich spontan, dass Mottoparties es ab einem bestimmten
Reifegrad irgendwie einfach nicht mehr bringen. Und im überstürzt-ungeordneten
Rückzug raunze ich Olivia den einzigen Kommentar zu, der mir dieser Situation
angemessen scheint: „Bleed Blunz!”

In diesem Sinne, macht's gut und bleibt immer schee locker in de Hüfte,

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz