Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Schöne Bescherung

Gude, ihr Leit!
Jetzt sind es gerade mal (gefühlte) anderthalb Wochen her, dass ich den
Grill und die Gartenstühle weggeräumt und den Sand aus den Badesachen
geschüttelt und sie wieder im Schrank verstaut habe, und schon kommt
Weihnachten wieder wie eine unaufhaltsame Lawine auf einen zugeschossen.
Früher konnte man sich jahreszeitentechnisch ja noch ein bisschen an
den Sonderangeboten im Supermarkt orientieren, aber seit Stollen,
Zimtsterne und Dominosteine schon kurz nach Ostern in den Regalen
auftauchen, ist mir sämtliches Zeitgefühl abhanden gekommen. Und wieder
mal stelle ich voller Bestürzung fest, dass Weihnachten nur noch ein
paar wenige Adventskalendertürchen entfernt ist.

Also fängt man fieberhaft an zu überlegen, was man wem – und wenn ja,
warum – schenken soll. Natürlich will man's sich mit der krummbuckligen
Verwandtschaft nicht allzu sehr verscherzen, indem man sie beim
Schenken einfach übergeht. Deshalb schaffe ich schon das ganze Jahr
über alles, was ich an halbwegs brauchbaren Werbegeschenken abstauben
kann oder an Urlaubsnippes und sonstigem Tinnef angedreht kriege,
vorsorglich beiseite. Ich habe da inzwischen ein recht ausgeklügeltes
System entwickelt und notiere mir zum Beispiel bei Urlaubsmitbringseln
sorgfältig, von wem und wann ich sie bekommen habe. So kann ich sie
zum einen jederzeit aus der Rumpelkammer kramen und an exponierter
Stelle in der Wohnung aufbauen, wenn der Betreffende zu Besuch kommt,
und zum andern kann ich sie nach einer gewissen „Präsentierzeit” von,
sagen wir, zwei Jahren, ausrangieren und in die „Präsenteecke”
umstapeln. Außerdem umgehe ich auf diese Weise elegant die Gefahr,
sie demjenigen als Weihnachtsgeschenk auf's Auge zu drücken, von dem
ich sie ursprünglich bekommen habe. Denn das wäre ja wohl mehr als
peinlich, oder?

Aber offensichtlich sind nicht alle meine Verwandten so feinfühlig
und denken so umsichtig wie ich. Denn letzte Weihnachten schickte mir
doch glatt mein für seinen Geiz berüchtigter Onkel ein Päckchen in
derart geschmacklosem und mit deutlichen Spuren der Wiederverwendung
gezeichneten Geschenkpapier, dass mir sofort klar war: es konnte sich
nur um das Päckchen handeln, das ich ihm im Jahr zuvor noch selbst
geschenkt hatte. Und allem Anschein nach hatte er es noch nicht
einmal ausgepackt! Dabei hatte es sich doch, wie ich mich dunkel
erinnerte, um einen Schokoladenriegel gehandelt, der schon damals
hart an der Grenze des Haltbarkeitsdatums war. Wenn er ihn gleich
gefuttert hätte, wäre das sicher noch ok gewesen. Aber so musste
man sich allen Ernstes wundern, dass sich das Päckchen nicht schon
von alleine in Bewegung gesetzt hatte! Also so eine Unverschämtheit!
Da gab's nur eins: Gleich am nächsten Tag rief ich meinen Onkel an
und bedankte mich auf's Überschwänglichste. Und ich hätte zu gerne
sein Gesicht gesehen, als ich ganz artig und im Ton unschuldigster
Bescheidenheit flötete, „So e wunnerschee Armbanduhr hab ich mir
schon lang gewünscht! Abber die hunnert Euro zusätzlich hätte doch
werklich nit aach noch sei müsse!”

In diesem Sinne, fröhliche Weihnachten wünscht

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz