Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Parleeh-wuh Denglisch?

Gude, ihr Leit!
Neulich war ich, nur so zum Pläsir, in einer Kneipe in der Mainzer Neustadt.
Weil die sehr gut besucht war und weil ich mich auch ein bisschen amüsieren
wollte, setzte ich mich ganz ungeniert zu einer Clique junger Leute, die
eifrig am Debattieren war. Eine Weile hörte ich interessiert zu, musste
aber ziemlich schnell feststellen, dass ich so gut wie „gare” nix verstand,
also quasi nur „Bahnhof”, wie der Franzose sagt.
So meinte der Eine zum Beispiel: „So e All-äitsch-after-wörk-partie in ener
richtich kuhl Lokäischen find ich zum Riläxe obermegagigageil! Unn
hinnerher machst de mit ääner vun dene scheene scharfe Tschickse en
Won-nait-ständ, unn gut is.”

Prompt kam von seinem Vis-à-vis: „Ei is dann des die Possibillidie! Also
da is mir e abgefahrn Autdoor-Äktiffidie dausendmol lieber. Ich geh zum
Beispiel gern emol uff die Haafpaip zum Skeete, odder ich geh Mauntenbaike
odder Friehklaimbe im Taunus. Hauptsach, immer voll die Äktschen. Da biste
hinnerher so richtich schee ausgepauert unn kannst zum Tschille voll ein'
uff Kautschpoteedo mache!”
Und der Dritte, ganz léger: „Da deet ich doch lieber zu 'me gegaidete
Wörkaut in e Fittness-Senter gehe, die habbe do jede Menge Fietschers,
wo de sogar was fer dein Baddi-Maass-Indeks mache kannst. Unn natürlich
mit Wellness-Äärier. Des is fer mich rein fielingmäßig viel eher die
Tschellendsch!”

„Och komm, heer doch uff,” meldet sich Nummer Zwei wieder zu Wort. „Um den
ganze Wellness-Fack wird heit en viel zu große Haip gemacht! Des
Beckoffis-Tiem in so Senter sinn meistens voll die Luhser, lauter
ungelernte Lusche, es Händling unn die Juusebillidie vun dene Haiteck-
Maschine is voll de Flopp, unn so viel ich weiß, sinn die Ergebnisse eh
all gefeekt. Die Läde mache vorne mords Pablissidie unn hinne e Scheiß
Performens. Der Buhm is vorbei, glaab mer's!”
„Okee, okee,” lenkt der Vorredner ein, „ich mach's jo ach eher nur so
Tschast for Fann. Abber mit eme kuhle Baddie unn em richtige Autfitt,
kannst de ach schon emol e Kaasting-Angebot kriehe. Des is doch werklich
nit zu toppe, odder?”. . .

Je länger ich zuhörte, desto konfuser bin ich geworden. In einer kurzen
Gesprächspause sah ich meine Chance und ergriff couragiert das Wort:
„Pardong, die Herrn, wenn ich mich da so eimisch. Aber wenn ich jetzt aus
de Lamäng sage sollt, übber was ihr gebabbelt habt, käm ich ganz schee in
die Bredullje! Unn des, obwohl ich mich normalerweis so ganz passabel
verständige kann, nit nur solala. Aber, sapperlot, wie ihr Kumbeern unser
schee Muttersprach malträtiern duht, des is schon e Blamaasch! Macht doch
emol e bissje dussmoosche, ihr misst doch nit in jeden Satz partuh mit
Gewalt en Haufe Fremdwörter neibossele, nur weil des vielleicht momentan
aawoog is! Mit so moderne Fissemadende macht ihr doch à la longue die
ganz Sprach kaputt! Des sinn schon kää Bagadelle mehr, des is schon e
veritabel Malör!”

So hatte ich mich richtig schön in Rage geredet, bis mich einer der
Herrn unterbrach: „Kuhle Spietsch, Alder, voll krasses Wörding! Aber sag
mal, Mann, sprichst du eigentlich kein Deutsch?”

In diesem Sinne, alla, macht's gut – unn babbelt, wie euch de Schnabel
gewachse is!

Euern Schambes

PS: Falls Ihr irgendwas nicht verstanden habt, findet Ihr hier alle
Fremdwörter übersetzt:
Parleeh-wuh parlez-vous = frz.: sprechen Sie...; Pläsir – plaisir = frz.:
Vergnügen; amüsieren – s’amuser = frz.: (sich) vergnügen; ungeniert – 
(sich) genieren
– gêner = frz.: gehemmt sein, sich unsicher fühlen;
Clique
= frz.: Freundeskreis; debattierendébattre = frz.: durchsprechen;
gare = frz.: Bahnhof; All-äitsch – all age = engl.: für jedes Alter;
after-wörk-partie
– After-work-party = engl.: geselliges Zusammentreffen
nach Geschäftsschluss; kuhl – cool = engl.: kühl, dufte, klasse;
Lokäischen
– location = engl.: Örtlichkeit; riläxe– to relax = engl.:
ausspannen; mega, giga = gr.: „millionen-” bzw. „milliardenfach", beliebte
Vorsilben zur Steigerung; Tschickse – chicken = engl.: Hühnchen, aber
auch (junge) Frau; Won-nait-ständ – one-night-stand = engl.: eine Affäre
für eine Nacht;prompt = frz.: unverzüglich; vis-à-vis = frz.: gegenüber;
Possibillidie
– possibility = engl.: Möglichkeit; autdoor – outdoor= engl:
aushäusig, im Freien; Äktiffidie – activity = engl.: Betätigung; Haafpaip – halfpipe = engl.: „halbes Rohr“, Rollschuhbahn mit U-förmigem Querschnitt; Skeete – skaten – to skate = engl.: Rollschuh fahren; Mauntenbaike – mountainbiking= engl.: querfeldein Rad fahren; Friehklaimbe – freeclimbing
= engl.:
unangeseilt Berg steigen; Äktschen – action = engl.: (lebhafte) Betätigung;ausgepauert – ausgepowert = dt/engl.: erschöpft, ermüdet, abgekämpft sein; Kautschpoteedo – couchpotato = engl.: einer, der Chips futternd auf dem Sofa rumlungert, der den Hintern nicht hochbekommt;
léger = frz.: lässig, zwanglos; gegaidet – geguidet – to guide = engl.:
führen, anleiten; Wörkaut – workout = engl.: Training; Fittness-Senter – fitness-centre = engl: Konditionsaufbauinstitut; Fietscher – feature = engl.: Merkmal, Funktion, Eigenschaft; Baddi-Maass-Indeks – body-mass-index = engl.: Methode zur Bestimmung des Verhältnisses zwischen Körperfett und Gewicht; Wellness-Äärier – wellness-area= engl.: Wohlfühlbereich;
fieling – feeling = engl.: Gefühl; Tschellendsch – challenge = engl.: Herausforderung; Fack – fuck = engl.: Scheiß-…; Haip – hype = engl.: Aufhebens, übertriebenes Getue; Beckoffis-Tiem – backoffice-team =

engl.: die Mitarbeiter im Hintergrund; Senter – centre = engl.: Zentrum;

Luhser – loser = engl.: Verlierer(-typ); Händling – handling = engl.: Handhabung;Juusebillidie – usability = engl.: Bedienungsfreundlichkeit; Haiteck – hitec – high tehcnology = engl.: Hochtechnologie; Flopp – flop = engl.: Reinfall; gefeekt – to fake = engl.: fälschen, manipulieren;
Pablissidie
– publicity = Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Werbemaßnahme; Performens – performance = engl.: Erscheinung(-sbild), Leistung(-sfähigkeit); Buhm – boom = engl.: Aufschwung; Okee – okay, ok = engl.: in Ordnung; Tschast for Fann –just for fun = engl.: rein zum Vergnügen; Baddie – body = engl.: Körper; Autfitt – outfit = engl.: äußeres Erscheinungsbild; Kaasting – casting = engl.: Auswahlvorgang von Bewerbern; toppe – to top = engl.: überbieten; konfus – confus = frz.: verwirrt; Chance – chance = frz.: Glück(-sfall), günstige Gelegenheit; couragiert – courageux = frz.: mutig, beherzt; Pardong – pardon = frz.: Entschuldigung; Lamäng – la main = frz.: die Hand, hier: aus dem Handgelenk, aus dem Stegreif; gebabbelt – babiller = frz.: plappern, schwätzen; Bredullje – bredouillage =  frz.: Gestammel; passabel – passable = frz.: annehmbar; solala – so là là = frz.: (gerade) eben so; sapperlot – saprelotte = frz.: Ausruf des Unwillens; Kumbeer – cumpère
= frz.:
Genosse, Gevatter, Kumpan; malträtiern – maltraîter = frz.: misshandeln; Blamaasch – blamage = frz.: Schande, Beschämung; dussmoosche – doucement = frz.: langsam, ganz sachte; partuh  – partout = frz.: um jeden Preis; bossele – bosseler = frz.: basteln, werkeln, einen „Buckel“ in Metall treiben; aawoog – en vogue = frz.: im Schwange, in Mode; modern = frz.: zeitgemäß; Fissemadende –Fissematenten – visite ma tente! = besuche mein Zelt! (Es wird überliefert, dass napoleonische Soldaten mit dieser Aufforderung deutsche Mädchen zu sich einluden. Diese wehrten die Einladung mit den Worten „Mach keine Fissematenten!“ ab, was so viel hieß wie „Mach keine Faxen!“); à la longue = frz.: auf lange Sicht; kaputt – capote = frz.: abstürzen, sich überschlagen; Bagadelle – bagatelle = frz.: Kleinigkeit; veritabel – véritable = frz.: echt, wahrhaftig; Malör – malheur = frz.: Unglück; Rage = frz.: Wut; Spietsch – speech = engl.: Rede, Ansprache; Wörding – wording = engl.: Wortwahl, Formulierung; alla – à la (marche) = frz.: los, auf geht’s!


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz