Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Eine super Idee

Gude, ihr Leit!
Als ich letztens zufällig mal wieder am Fastnachtsbrunnen vorbeikam, bin
ich erst mal total erschrocken, weil ich dachte, ich hätte mich
verlaufen. Ich hab das Ding nämlich fast nicht wiedererkannt. Die
ganzen letzten Jahre hindurch war es allmählich immer mehr verkalkt
und vergammelt und hat sich so der Mainzer Bevölkerung langsam aber
sicher aus dem Blick und dem Bewusstsein laviert. Und plötzlich
erstrahlt das Teil wieder in funkelnagelschniegelniegelneuem Glanz!
Kein Siff und kein Schmodder mehr dran! Alle Figuren wieder bis ins
kleinste Detail zu erkennen!

Während ich mir noch die staunenden Augen reibe, spricht mich jemand
an. „Schee worrn, gell? War awwer 'n Haufe Awweit. Hätt mer eigentlich
schon viel frieher mol ebbes mache misse...” Dann fügt er in leicht
resigniertem Ton hinzu „Awwer die Stadt hot jo nix druff!” Aha.
Offensichtlich ein Insider. Obwohl – dass die Stadt so gut wie pleite
ist, hat sich mittlerweile sogar bis zu mir rumgesprochen. Ich denke
nur ans marode Rathaus. Auch so'n Prestigeobjekt, mit dem die Stadt den
Molly macht, obwohl sie's eigentlich längst nicht mehr unterhalten
kann...

Ich frage nach: „Unn wer hat des jetz bezahlt, wenn die Stadt die
Beutelschwindsucht hat?” „Des war e Stiftung,” erklärt mir mein Gegenüber
mit gewichtiger Miene. „Die Firma, die den Brunne seinerzeit de Meenzer
spendiert hat, hat sich ach jetz widder drum gekümmert unn Geld gesammelt
unn's dann fer die Renovierung von dem Brunne gestift. Die Stadt hätt
des zu Lebkuchedaach nit hiekriet!” Das glaub ich auch. Ich bin zutiefst –
und nachhaltig – beeindruckt, kriege die Sache tagelang nicht mehr aus
dem Kopf.

Kurz darauf treffe ich zufällig ein paar ranghohe Mitglieder des Stadtrates
in meiner Stammkneipe. Da beschließe ich, die Gelegenheit beim Schopf zu
packen und ihnen das Ergebnis meiner Grübeleien, nämlich mein
genialitätsdurchflutetes Konzept zur Rettung des Rathauses, zu offenbaren.
Streng vertraulich, versteht sich.
„Männer, die Sach is ganz ääfach,” trumpfe ich auf. „Probiert's doch emol mit
'ner Stiftung!” Ich ernte eine volle Runde aufrichtiger Verständnislosigkeit.
Jetzt nur nicht aufgeben, sage ich mir, und rede beherzt drauf los. Dass
man an namhafte ortsansässige Firmen herantreten und sie für eine Stiftung
gewinnen müsse; dass man ihnen als kleines „Dankeschön” anbieten könne,
sich dezent am Rathaus zu verewigen; beispielsweise könnten die
Fensterscheiben, je nachdem, durch Ceranfelder ausgetauscht werden, das
würde bei der subtilen, künstlerisch wertvollen Fassadenvergitterung
kaum auffallen; oder man könnte eine überlebensgroße, neonbeleuchtete
Froschskulptur aufs Dach setzen; oder... oder?

Ich habe mich so in Rage geredet, dass mir gar nicht aufgefallen ist,
wie sich meine (zugegebenermaßen unfreiwilligen) Zuhörer einer nach dem
andern verdünnisiert haben. Erst, als auch der Letzte sich dezent aus dem
Staub machen will, bemerke ich es irritiert. „Also Schambes,” sagt der
todernst zu mir, „des mit der Stiftung is ja echt e subber Idee!” „Unn wo
sinn die Kollege uff aamol all hie?” „Ei die sinn sofort stifte gange!”
Und nimmt seine Jacke und geht.

In diesem Sinne: macht's gut – unn immer schee beizeite stifte gehe!

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


   Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz