Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Eile mit Weile

Gude, ihr Leit!
Wenn's um Erledigungen beispielsweise bei der Post geht, ziehe ich auch
in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit den persönlichen Kontakt am
Schalter einer Abwicklung per Internet unbedingt vor, so bequem
letzteres auch manchmal scheinen mag. Denn der Postschalter ist,
neben dem Friseur und vielleicht noch der Metzgertheke, einer der
wenigen Orte, wo's noch so richtig „menschelt”. Besonders, seit durch
die Teilprivatisierung der Post an den Schaltern keine mürrischen
Postbeamten mehr sitzen, die hinter Panzerglasscheiben mit knapper,
spröder Effizienz ihre Arbeit erledigen, sondern stets gut gelaunte
Teilzeitkräfte, die mit einem schieren Überschwang an
Kommunikationsfreude jeden Handgriff wortreich und unterhaltsam
kommentieren („Isch geh mer mol en Kaffee hole. Soll isch der aach
ääner mitbringe?”). Darüber hinaus werden auch gern persönliche
Befindlichkeiten ausgetauscht („Isch bin jo heit Nacht widder totaal
vunn de Poothämmel (=Schnaken) verstoche worn!” – „Frieher host de der
dei Stecher aach besser ausgesucht!”) oder Ereignisse von allgemeinerem
gesellschaftlichem Interesse („'s Beckers ihrn Hund is ach die letzt
Woch gestorwe!”), gelegentlich sogar unter Einbeziehung der
nächststehenden Kunden („Der war jo ach schunn ganz schee waggelisch
uff de Bää. Abroboo – was kann isch fier Sie tuhn?”).

Und während in anderen Wirtschaftszweigen von den Mitarbeitern immer
stärker Multi-Tasking-Fähigkeiten abverlangt werden, geschieht hier
der verbale Austausch meist nicht nur mit staatsmännisch ruhiger,
sondern mit „ruhender Hand”. Echte Teilzeitkräfte also, im wahrsten
Sinn des Wortes: Ein Teil der Zeit wird gearbeitet, ein Teil wird
gebabbelt. Schön sorgfältig getrennt, denn Dienst ist Dienst und
Schnaps ist Schnaps. Eine gewisse Gewissenhaftigkeit in diesem Punkt
immerhin scheint man von den Beamten übernommen zu haben, da kann
keiner meckern!

Und offensichtlich erfreut sich dieses ungezwungene, locker-saloppe
Arbeitsklima einer enormen Beliebtheit beim Kunden, denn wie sonst
wäre es zu erklären, dass die Schalter täglich einen solchen Zulauf
zu verzeichnen haben. Nicht selten stehen die Menschen in Schlangen
bis auf die Straße, um ihre Sendungen loszuwerden oder abzuholen –
oder sich einfach nur aktiv oder passiv zu unterhalten. Um mal
wieder eine zwischenmenschliche Ansprache zu haben, wenn der
Kühlschrank noch voll Wurst ist und die Dauerwelle auch noch sitzt,
es also weder für einen Besuch beim Metzger noch beim Friseur
triftige Gründe gibt.

Problematisch wird's unter Umständen nur dann, wenn man mit einem
Fünfkilopaket ganz hinten in der Schlange steht und dieses mit
zunehmender Wartezeit einen gar wundersamen, ganz massiven „gefühlten”
Gewichtszuwachs erfährt. Oder wenn man dringend mal Pipi muss. Oder
daheim einen Kuchen im Ofen hat. Aber das kriegen die bestimmt alles
noch in den Griff, und zwar ganz locker, da bin ich sicher.
Wahrscheinlich sogar noch in diesem Jahrtausend.

In diesem Sinne: macht's gut – und bloß nit huddele!

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz