Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

All inclusive

Gude, ihr Leit!
War'n Sie schon mal auf Mallorca? Oder „uff Malle”, wie's im Profi-Prol-
Jargon heißt? Ich komm grad von dort, hatte kurz entschlossen einen
Last-Minute-Überraschungs-Trip gebucht. Allerdings hatte ich schon
ein bisschen Bauchweh, denn was man so hört über Malle, ist ja nicht
gerade das Allerbeste. Und als mir gleich bei der Landung ein Pulk
aufgekratzter Urlaubsheimkehrer entgegenschwappte, jeder
gleichermaßen uniform wie unförmig in ein „total lustiges” T-Shirt
gezwängt mit der Aufschrift „Füße im Wasser, Arsch im Sand, Strohhalm
im Eimer”, war ich schon bedient. Aber während ich noch überlegte,
ob der Text eher durch die Zeile „Hirn im Arsch” oder „Hirn im Eimer”
ergänzt werden sollte, wurde ich schon zu einem Transferbus
manövriert, der mich zu meiner Überraschung zu einem todschicken
All-inclusive-Hotel fernab vom Ballermann kutschierte. Offensichtlich
gibt es auf der Insel auch Gegenden, die mit Ballermann-Romantik
nichts am ausgefransten Sombrero haben.

Umso mehr war ich gespannt, was mich hier erwartete. Die Hotelanlage
war um ein hypermodernes Empfangszentrum angesiedelt und sah aus wie
ein schnuckeliges Gussbetondörfchen mit folkloristisch angehauchter,
abwechslungsreicher Formenvielfalt im Giebelbereich. Mittendrin
gab's drei verschiedene Restaurants, die, wie ich schnell herausfand,
rund um die Uhr ein abwechslungsreiches Angebot parat hielten, um
eventuelle Schwachstellen im Hüftbereich sofort nachhaltig wieder
aufzupolstern. Davon wurde auch tatsächlich reger Gebrauch gemacht.
Frei nach dem Motto „bezahlt ist bezahlt”, türmten sich auf manchem
Teller gleich mehrere Gänge in abwechslungsreichsten
Zusammenstellungen so abenteuerlich übereinander, dass es schon rein
statisch sehr beeindruckend war.

Zwischen den zahlreichen Haupt-, Neben- und Zwischenmahlzeiten konnte
man, wenn man noch Zeit hatte, den verschiedensten Arten von
Leibesertüchtigung frönen. Was ich allerdings ziemlich kontraproduktiv
fand. Ich hing sattdessen lieber am Pool rum und beobachtete
interessiert, wie ideal weiße Kleidung sich dazu eignet, die
Unterwäsche ihres Trägers zur Schau zu stellen. Da gab es, natürlich
rein aus ästhetischer Sicht, etliche echte Hingucker, aber auch
einiges zu verkraften. Jedenfalls auch hier: jede Menge Abwechslung!
Und wem am Ende eines solchen, in jeder Hinsicht ausgefüllten (um
nicht zu sagen vollgestopften) Tages der Sinn nach weiterer Zerstreuung
stand, für den gab's allabendlich zu diversesten Cocktails noch eine
Show mit täglich wechselndem Programm.

Kurz, man hat in jeder Hinsicht weder Kosten noch mühen gescheut, um
jedem Gast den Aufenthalt so abwechslungsreich wie nur irgend möglich
zu gestalten. Und trotzdem kann man es scheinbar nicht jedem recht
machen, wie eine Unterhaltung zeigt, die ich zufällig beim Auschecken
mitbekam. Ein sonnenverbrutzelter, bräsiger Miturlauber mit
unüberhörbar heimatlichem Akzent fand seinen Aufenthalt nämlich
„totaal langweilisch. Jeden Daach die selb' scheiß Abwechslung!”
Na, dann…

In diesem Sinne: wenn ihr das nächste Mal in Urlaub seid, macht's Beste draus!

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz