Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Communication Breakdown

Gude, ihr Leit!
Ist es nicht ein Wahnsinn, wie weit wir es heute mit unserer
Kommunikationstechnik gebracht haben? Wie wir sie zielstrebig
weiterentwickelt und perfektioniert haben? Längst vorbei sind die Zeiten
von Buschtrommel, Rauchsignal und reitenden Boten, und selbst das
Telefon wird inzwischen von Handy und Internet immer mehr verdrängt.
Die neueste Entwicklung ist das Twittern, mit dem ich mich demnächst
auch mal auseinandersetzen werde, und das Ende der Entwicklung ist
nicht abzusehen. Heutzutage kann man sozusagen von seinem
Schreibtisch aus mit so ziemlich jedem an so ziemlich jedem Ort
der Welt in Kontakt treten. Ein Bekannter von mir, der Franky,
ist bekennender Internetfreak und geht schon seit geraumer Zeit
so gut wie gar nicht mehr aus dem Haus. Fast alles, was er zum Leben
braucht, holt er sich aus dem Internet. „Was soll ich da draußen in
der Welt,” ist seine Devise, „so lange die Welt genau so gut zu mir
kommen kann!”

Aber neulich war er mal ganz schön aufgeschmissen, weil sein
gesamtes, schreibtischgesteuertes Kommunikationssystem schlicht
und ergreifend abgeschmiert ist. Kein Internet, kein Handy, kein
Telefon, nix ging mehr. Alles aus. Tot. Black out. Ein digitaler
Robinson, gestrandet auf einer einsamen Insel, mitten in der Stadt.
Und dabei hätte er gerade jetzt unheimlich dringend ein bestimmtes
Backrezept gebraucht!

Da entschloss er sich in einem Anflug von heroischer Selbstüberwindung
zu einem praxisnahen Feldversuch in experimenteller Psycho-Archäologie
und klingelte, wie man das vermutlich in der Steinzeit gemacht hat, bei
seiner Nachbarin. Als sie die Tür aufmachte, artikulierte er sein
Anliegen, auch wenn ihm das seltsam antiquiert vorkam, direkt und ohne
Anwendung irgendwelcher technischer Hilfsmittel, mit seinem Mund in
Richtung ihrer Ohren. Ein archaisch direktes, rein biologisches, aber
offensichtlich einwandfrei arbeitendes Sender-Receiver-System, wie er
begeistert feststellte. Und auch die Respond-Funktion klappte
einwandfrei. Franky sprudelte eine Frage nach der anderen hervor,
nur um eine Antwort zu provozieren, und beobachtete dabei verstohlen,
aber überaus interessiert, die total analogen Sende- und
Empfangsvorrichtungen seines Gegenübers. Unwillkürlich musste er
feststellen, dass diese nicht nur äußerst effizient und funktional waren,
sondern irgendwie auch überaus hübsch. Und dann erst ihre visuellen
Input-Module! Wow! Franky war hin und weg von diesen Augen, voll im
Rausch der nondigitalen Face-to-face-Kommunikation. Bis seine Nachbarin
irgendwann meinte, sie müsse jetzt mal nach ihrem Badewasser sehen,
vermutlich sei die Wanne mittlerweile voll.

Zurück an seinem Schreibtisch, fiel ihm die entscheidende Frage ein,
die er vergessen hatte zu stellen: „Kann ich deine E-Mail-Adresse
haben?” Und ich weiß jetzt endlich, wohin die Entwicklung der
Kommunikationstechnologie gehen muss, wenn Franky und der Rest der
Menschheit überleben soll: Zur digitalen Fernbefruchtung.

In diesem Sinn, macht's gut, und wenn Ihr's hinkriegt, am besten analog,

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz