Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz
Peter Beckhaus Design und Illustration Mainz

Gude, ihr Leit!

Ich bin Schambes, der Bär, und das, was man ein Mainzer Original nennen
könnte. Mainzer deshalb, weil mir nichts über ein Stück Fleischworscht,
en scheene Schoppe, die 05er und die Meenzer Fassenacht geht, und
Original, weil ich bestimmt der einzige Bär bin, auf den das zutrifft.
Seit Kurzem bin ich Zeitungsausträger für die lokale Zeitung und komme
dabei viel rum in der Stadt. Dass man dabei alles Mögliche zu hören
kriegt, was den Leuten gegen den Strich geht, ist klar. Deshalb kam mir
die Idee, immer wieder mal was davon hier aufzuschreiben. Und wenn Ihnen
mal was begegnet, das in dieser Kolumne angesprochen werden sollte,
scheuen Sie sich nicht, es mir zukommen zu lassen, am besten per Mail
an Schambes@dielokalezeitung.de. Aber für den Anfang will ich mal
drüber berichten, bis wohin die Zukunft des „Zukunftsunternehmens”
Deutsche Bahn reicht.

Wenn man eins von den Billigfliegern gelernt hat, dann das: je eher
man bucht, desto billiger wird's. Nur, dass ich halt nicht gern
fliege, nicht erst, seit ein gewisser Eyjanajasiewissenschon-Vulkan
in der Gegend rumspuckt. Als leidenschaftlicher Fußballfan hatte ich
mir in den Kopf gesetzt, beim Endspiel der WM am 10. Juli per public
viewing life dabei zu sein. Und zwar nicht irgendwo, sondern, jawohl,
in Berlin. Und hinkommen wollte ich mit dem Zug.

Klar, dass noch mehr Sportbegeisterte auf diese Idee kommen würden.
Deshalb wollte ich mir mein Bahnticket so zeitig wie möglich sichern
und machte ich mich Mitte März auf zum Mainzer Hauptbahnhof und zu
dem, was dort früher mal schlicht „Fahrkartenschalter” hieß, heute
aber vollmundig, trendy und zukunftsweisend „Service Point” genannt
wird.

„Zukunftsweisend” war zumindest schon mal der Automat, an dem man
sich eine Wartenummer ziehen musste. Denn die dazugehörige Anzeigetafel
wies genau jenes Stückchen zusammenschrumpfende Zukunft auf, das
zwischen dem Eintreten und dem Bedientwerden am Service Point lag.

Aber damit war's das dann auch schon wieder mit der Zukunft. Denn
mein eindeutig dort angesiedelter Plan, in knapp vier Monaten eine
Bahnreise nach Berlin zu machen, stellte die Logistik des Unternehmens
vor scheinbar unlösbare Probleme. Und auch meine Fragen nach den
günstigsten Tarifen und Verbindungen konnten nicht beantwortet werden.
Mein Reiseantrittstermin liege einfach ZU WEIT in der Zukunft, hieß
es. Vielleicht gäbe es ja bis dahin neue Sondertarife, zusätzliche
Sonderzüge oder andere unabsehbare Entwicklungen. Genau. Oder
Vulkanausbrüche, die diesmal den weltweiten Bahnverkehr lahm legen.
Hallo?!

Dass ich vorhatte, erst am 6. August wieder zurückzufahren und auch
dafür gern schon heute eine Fahrkarte gekauft hätte, traute ich mich
gar nicht mehr zu sagen. Auch wenn mir fast der Kragen platzte, es
wäre sinnlos gewesen. Denn, wie sich herausstellte, reicht die
Zukunftsorientierung der Bahn, was die Reiseplanung betrifft, nur bis
maximal drei Monate vor Reiseantritt. Drei Monate und keinen Tag länger.
Guten Morgen, Deutsche Bahn! Da lobe ich mir doch auf einmal wieder
die Billigfliegerei mit ihren Frühbucherrabatten! Vorausgesetzt, es
gibt gerade mal keine Vulkanaschewolken am Himmel, und er fällt einem
auch sonst nicht irgendwie auf den Kopf…

Alla, macht's gut,

Euern Schambes


Seit April 2010 hat der Bär
Schambes eine "Festanstellung"
bei der Stadtausgabe der "Lokalen
Zeitung in Mainz.

Als Zeitungsausträger
kommt er viel rum in der Stadt
und hört, sieht und erlebt dabei
so allerhand.

Jeden Monat schreibt und
illustriert Peter Beckhaus alias
Schambes Becker eine Glosse über
Gott und die Welt – und über
Mainz...


Schambes der Bär von Peter Beckhaus Design Mainz